RISK´N´FUN

ALPINE PROFESSIONALS VOM ALPENVEREIN

Freeride – Bike – Klettern. Bei risk´n´fun, eine Initiative vom österreichischen Alpenverein, können Interessierte ihre Skills in den jeweiligen Sportarten verbessern und verfeinern.

Ich, Miriam, bin seit 2016 als Trainerin für risk´n´fun „Freeride“ unterwegs. Hier geht es darum, weg von den Pisten, hin zu eigenen Touren. Im Zentrum steht das 3-Säulen-Modell: Wahrnehmen – Beurteilen – Entscheiden. Denn der eigenverantwortliche Umgang mit Risiken beim Freeriden kann erlernt werden!

 

Mein Weg bei risk´n´fun

Wie der Traum vom Powder mit risk´n´fun erreichbar wurde – und noch so viel mehr

Am Gipfel stehen, vor einem ein unverspurter Powder-Hang, ready to drop-in. Dann seine eigene Line finden und einfach nur mit einem Grinsen im Gesicht den Hang genießen. Das ist wohl der Traum eines jeden Snowboarders oder Skifahrers. Doch solche Bilder kennt man meist nur aus Magazinen oder aus Videos. Für mich war das auch lange so. Ich war schon immer gerne in den Bergen auf meinem Snowboard unterwegs. Habe unter anderem als Snowboardlehrerin mein Studium finanziert und konnte auch im Rahmen dieser Ausbildung einen Alpinkurs genießen, der mich in die Materie hineinschnuppern lies. Doch trotzdem war der zu Anfang erwähnte Traum lange für mich nicht greifbar. Aus den verschiedensten Gründen: Zum einen fühlte ich mich im Park wohl und dachte es gäbe nichts Besseres (ein großer Irrtum, wie ich heute weiß). Zum anderen waren die Barrieren einfach zu hoch. Ich hatte ganz einfach nicht das notwendige Wissen, um mich im Gelände sicher zu fühlen, das Risiko war für mich stets nicht einschätzbar. Doch irgendwann interessierte mich der Park immer weniger und der Traum vom Powder wurde immer stärker. Ich kaufte mir ein Splitboard und eins führte zum anderen.

Von der Quereinsteigerin zur Trainerin: risk´n´fun als Lebensbereicherung

Vom Chill Out…

Eine Freundin erzählte mir von ihren Erlebnissen bei risk´n´fun und ob ich nicht Lust hätte mit auf´s Chill Out zu kommen. Ich hatte davon schon gehört, hatte aber trotzdem keine allzu großen Erwartungen an das Wochenende. Doch diese drei Tage sollten alles ändern. Es ist schwer zu beschreiben, aber dieser Vibe, die Stimmung und die Freude, die auf dem Chill Out von Minute Eins an herrschten, überwältigten mich. Ich war zu diesem Zeitpunkt ja noch Außenstehende, aber ich konnte das Funkeln in den Augen der ganzen anderen TeilnehmerInnen sehen. Wie sich alle gefreut haben, neu gewonnene Freunde wieder zu sehen, und ihre Erfahrungen aus den einzelnen Levels austauschten. Ich wusste bereits am ersten Abend: Das ist genau das, was ich möchte, wonach ich gesucht habe!

Zum Level 1…

Gute neun Monate später war es so weit und ich fuhr nach Sölden zum Level 1. Die Vorfreude war trotz fehlendem Schnee groß. Ich war aber auch sehr aufgeregt – wird es wirklich so gut wie ich es mir vorgestellt habe, wie sind die anderen TeilnehmerInnen, finde ich Anschluss? Vor allem als Mädl, das alleine auf eine Veranstaltung fährt, macht man sich wahrscheinlich noch mehr Gedanken. Doch nichts von dem war berechtigt. Der herzliche Empfang vom risk´n´fun-Trainerteam nahm mir sofort die Bedenken und nach dem ersten Abend habe ich schon einige neue Freundschaften geschlossen. Leider hatten wir an den fünf Tagen weniger als wenig Schnee, trotz Gletschers. Aber das ist nun einmal das Risiko bei diesem Sport und hat die Stimmung überraschenderweise nicht beeinträchtigt. Jeder von uns TeilnehmerInnen erkannte sofort, dass risk´n´fun so viel mehr ist, als nur Powder zu fahren. Das Zusammenspiel von Bergführer und Trainer ist einmalig und kannte ich in diesem Ausmaß noch nicht. Jeden Tag haben wir so viel über Schnee, Gefahrenerkennung, Lawinenkunde, Wetterkunde etc etc gelernt. Und darüber hinaus durch die Softskills auch noch sehr viel über uns selbst und Gruppendynamik. An diesen Aspekt hatte ich vor der Ausbildung gar nicht so sehr gedacht. Mir war der wichtige Stellenwert nicht bewusst, den solche Faktoren für einen gelungenen Tag im Gelände haben: wie ist das eigene Wohlbefinden, die Stimmung in der Gruppe, wie kann sich die Dynamik im Laufe des Tages ändern und so weiter. Ich habe selten so spannende, interessante und lehrreiche fünf Tage erlebt. Besonders das 3-Säulen-Modell von risk´n´fun „Wahrnehmen-Beurteilen-Entscheiden“ hat es mir angetan – es umschreibt genau das was mir fehlte, nämlich den eigenverantwortlichen Umgang mit Risiken beim Freeriden erlernen. Und so hatte ich bei der Trainingssession endlich gefunden, wonach ich gesucht habe: Selbstständig eine Strategie für Freeride-Touren entwickeln zu können. Alles in allem war es dann auch nur der logische Schluss, dass ich mich bereits am zweiten Abend der Trainingssession für das nächste Level angemeldet habe.

Über Level 2…

Bereits wenige Wochen später stand das Next Level auf dem Plan. Nun hatte ich bereits Einblicke in die risk´n´fun-Philosophie, wie solche Levels ablaufen, und ich fuhr zusammen mit einer auf Level 1 neu gewonnen Freundin hin. So war die Aufregung wie bei der Trainingssession nicht ganz so gegeben, dafür stieg die Vorfreude umso mehr. Doch auch hier sollten ich und auch alle anderen TeilnehmerInnen überrascht werden. Von Anfang an wurden wir gefordert, wir waren für die Tourenplanung und das Leiten der Gruppe verantwortlich. Das war für viele von uns neu, wir standen im Mittelpunkt. Der Bergführer sowie der Trainer hielten sich sehr im Hintergrund, waren jedoch jederzeit für Fragen für uns da. Nach der Methode „Learning by doing“ lernten wir, wie eine professionelle Planung und Durchführung einer Tour auszusehen hatte. Wir erhielten weiteres Know-how über Kartenkunde und Orientierung. Und auch die Softskills kamen nicht zu kurz: Wie treffe ich Entscheidungen, wie habe ich als TourleiterIn die ganze Gruppe im Blick und ziehe diese mit ein, wie gehe ich mit anderen Meinungen um, wie gebe ich Feedback – um nur einige Inhalte zu nennen. Das alles natürlich wieder aufbauend auf das 3-Säulen-Modell von risk´n´fun „Wahrnehmen-Beurteilen-Entscheiden“.Das Next Level war für mich persönlich ohne Untertreibung eine der besten Wochen meines Lebens. Wir hatten das Glück, fünf Tage bestes Wetter, eine mäßige Lawinenwarnstufe und jeden Tag unverspurte Powderhänge vor uns zu haben. Doch ich lernte auch so viel – und das nicht nur für meine zukünftigen Abenteuer am Berg. Ich fühlte mich nach dem Next Level endlich bereit auch selbst Touren zu planen und durchzuführen – und davon folgten ein paar wirklich schöne in diesem Jahr, die ich mir ohne die risk´n´fun-Ausbildung sicherlich nicht zugetraut hätte. Nein, auch für mich persönlich konnte ich viel mitnehmen: Ich hatte wieder neu erlernt, die Geschwindigkeit im tagtäglichen Leben raus zu nehmen, mal alles ruhiger anzugehen und durchzuatmen. Wir sind ständig am Handy erreichbar, alles muss jetzt und sofort passieren, im Job und im Privatleben. Das stresst unglaublich mit der Zeit. Doch wenn man das Modell „Wahrnehmen-Beurteilen-Entscheiden“ auch abseits der Berge anwendet, sieht man viele Dinge anders. Das ins Bewusstsein gerückt, hat mich nachhaltig unglaublich erleichtert und reflektierter im Alltag agieren lassen.

Zur risk´n´fun-Trainerin.

2016 sollte das Team von risk´n´fun um ein paar neue TrainerInnen vergrößert werden. Ich bewarb mich und wurde schlussendlich nach ein paar Bewerbungsrunden auserwählt. Eine der besten Nachrichten, die ich bekommen habe. Ich freute mich sehr, zum einen durch die Ausbildung noch tiefer in die Materie eintauchen und mit anderen Freeride-Begeisterten im Powder Zeit verbringen zu dürfen. Zum anderen jedoch vor allem darauf, dass ich als Trainerin zukünftig die Möglichkeit erhalte, neuen TeilnehmerInnen dieselben großartigen Erfahrungen mit risk´n´fun, wie ich sie erleben durfte, zu ermöglichen. Für mich gibt es nichts Besseres, als wenn TeilnehmerInnen am Ende eines Levels dieses gewisse Funkeln in den Augen haben und bereit sind, sich eine eigene Strategie zuzulegen, um ihren eigenen überlegten Drop-in im Gelände zu wagen. Denn es lohnt sich mehr als alles andere!

 

(Beitrag ist im Magazin 3D – Denkraum für die Jugendarbeit, Ausgabe Oktober 2017 erschienen)